Ferdinand Piëch: Stratege mit „Benzin im Blut“

Als seine drei großen Interessen wurden, in dieser Reihenfolge, einmal zitiert: Volkswagen, Familie, Geld.

Ferdinand Piëch galt als geradezu genialer Stratege mit „Benzin im Blut“. Letzteres führte den 1937 Geborenen, der sein Maschinenbau-Studium 1962 an der ETH Zürich als Diplom-Ingenieur abgeschlossen hatte, durch verschiedene berufliche Stationen: Seine Karriere beim Zuffenhausener Sportwagenhersteller begann 1963, unter anderem mit maßgeblichem Einsatz im Motorsport, etwa bei den Rennen in Le Mans und bei der Entwicklung des Porsche 917. Sie endete für den Neffen von Ferry Porsche neun Jahre später durch einen Familienbeschluss. Im selben Jahr noch, 1972, wechselte er zu Audi, wo er 1988 Vorstandsvorsitzender wurde. In dieser Funktion kam er 1993 zur Volkswagen AG, wo er bis 2015 blieb.

Seine ausgeprägte Begeisterung für Autos brachte
unter anderem den TDI und den Allradantrieb quattro (bei Audi) hervor. Legendär ist die Geschichte, als er bei einem Abendessen den Entwurf für
den 16-Zylindermotor des Bugatti auf eine Serviette zeichnete, bestehend aus
zwei Achtzylinder-Triebwerken. Auch für Projekte, die es dann doch nicht
zur Serienreife schafften, konnte sich Piëch begeistern, etwa das 1-Liter-Auto
bei Volkswagen. Dort fruchteten vor allem seine Ideen als Stratege, zum
Beispiel die modulare Bauweise für verschiedene Modelle (heute: Modularer
Querbaukasten MQB) und die Einführung der Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich.
Solche Maßnahmen dienten der konsequenten Kostensenkung. Alles in allem baute
Piëch den Konzern aus und führte ihn zurück in die Erfolgsspur. 

Der Stratege Ferdinand Piëch war es aber auch, der
seinen Gegnern als gefürchteter Autokrat galt und nach einem verlorenen
Machtkampf mit Martin Winterkorn 2015 aus dem Volkswagen-Konzern ausschied.
Solche Charakterisierungen scheinen ihn freilich nicht sonderlich getroffen zu
haben: Dass sein Harmoniebedürfnis infolge seines Strebens nach Qualität
begrenzt sei, hatte er schon beizeiten selbst eingeräumt – wie auch
Detailversessenheit: Sein Faible für genaue
Spaltmaße brachte ihm den Spitznamen „Fugen-Ferdl“
ein – in gewisser Weise auch ein Kompliment. Am 26. August 2019 ist Ferdinand
Piëch, um den es in den letzten Jahren ruhig geworden war, 82-jährig
überraschend gestorben.

Foto: Audi

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