
In Deutschland wurde er vor allem als Hit-Lieferant für andere berühmt: Michael Holm coverte Kenny Rogers‘ „Lucille“ sehr erfolgreich, Bruce Low machte aus dem „Coward Of The County“ den „Feigling des Jahrhunderts“ und Volker Lechtenbrink aus dem „Gambler“ den „Spieler“. Kenny Rogers selbst, im März 2020 81-jährig verstorben, hatte hierzulande nie den ganz großen Durchbruch.
Das mag vor
allem daran liegen, dass sein Metier, der Country, es in Deutschland beim
Publikum nicht so ganz einfach hat. Jedenfalls im amerikanischen Original.
Rogers, der schon optisch wirkte wie jemand, den nichts aus der Ruhe bringen,
schon gar nicht „umhauen“ kann, zeigte in seinen Songs genau diesen Kontrast:
Man(n) kann robust wirken und es ein Stück weit auch sein, aber nicht alles und
jedes geht spurlos vorbei.
„You picked a
fine time to leave me, Lucille“ – der Sarkasmus des mit Kindern und Geschäft
von seiner Frau verlassenen Mannes kam bei Michael Holm doch sehr
weichgezeichnet rüber. Aus dem vermeintlichen Feigling der ganzen Region machte
Bruce Low einen vermeintlich weit größeren Zauderer, das war aber doch recht
nahe am Original. Das galt noch mehr für Volker Lechtenbrink – aber der hatte
vor dem „Spieler“ ja schon Country-Erfahrung mit (hervorragend!)
eingedeutschten Texten von Kris Kristofferson.
Kenny Rogers mit
seiner unverwechselbaren Stimme hat es posthum in Deutschland in die Charts
geschafft. „21 Number Ones“ zeigt besonders gut, warum die häufige
Charakterisierung als „Schmusesänger“ ihm nur sehr wenig gerecht wird. Denn
viele seiner Inhalte sind eben ernsterer Natur und von amerikanischem
Bewusstsein geprägt. Vor allem „Ruby, Don’t Take Your Love To Town“ zeigt es.
Mit seinem ersten großen Hit hat Kenny Rogers – der für offenen Patriotismus
schon mal sehr gescholten wurde – schon 1972 den „Finger in eine amerikanische
Wunde“ gelegt – den Vietnam-Krieg.
Kenny Rogers: 21
Number Ones. (Capitol)
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