Dakar 2020: Sainz siegt trotz gegnerischer Attacken

Der Spanier hatte sich einen eigentlich recht komfortablen Vorsprung herausgefahren vor Al-Attiyah und dem Teamkollegen Peterhansel. Und den galt es zu verteidigen, ohne in den letzten beiden Tagen das Risiko zu erhöhen und den Sieg doch noch zu verspielen. Peterhansel griff an, um den Katari Al-Attiyah von Platz 2 zu verdrängen. Es nutzte alles nichts.

So finden
sich im Schlussklassement auf den Plätzen 1 und 3 zwei der Diesel (MINI-Buggys)
aus dem X-raid-Rennstall. Mit dem Vizetitel von Al-Attiyah (V8-Benziner-Hilux),
der ja die 2019er Dakar in Südamerika gewonnen hatte, dürfte Teamchef Glyn Hall
nicht völlig zufrieden sein. Den Titel als angriffsstärkster Fahrer aber hat
der Katari mit Sicherheit verdient. Knapp am Podium vorbei, aber mit starker
Leistung: Yazeed Al-Rajhi auf einem privaten Overdrive-Toyota (Hilux) mit Rang
4. Die Toyota-Gazoo-Verantwortlichen in Südafrika sollten mal überlegen, ob sie
nicht den nahezu fehlerfrei agierenden und stets schnellen Al-Rajhi als
“festen” Fahrer mit ins Team nehmen. Er war insgesamt besser als die
anderen Stammfahrer von Gazoo mit ten Brinke, de Villiers und Alonso. Terranova
war mit dem 6. Platz bester der MINI-Truppe, Team-Neuling Seaidan ergänzte mit
zweitem MINI auf Platz 10 das Teamergebnis. Enttäuschend sicher der nur 19.
Rang von Przygonski (JCW-MINI), der nach seinen Problemen zu Beginn mit Plätzen
von jenseits 40 bis zum Ende noch über 20 Plätze aufgeholt hatte. Der Sieger
des ersten Tages, MINI-Treiber Zala aus Litauen, brachte seinen MINI 4×4 am
letzten Tag nicht ins Ziel. Zuvor hatte Pierre Lachaume seinen Peugeot 2008 DKR
(auf Position 15 sehr gut eingetütet) sein Arbeitsgerät nach allen Regeln der
Demontagekunst total zerlegt. Vom Vortages-Platz 4 also auf Null.

Overdrive-Pilot
Ronan Chabaut hatte in einer Schotterrinne mit kartongroßen Felsbrocken seinen
Toyota Hilux um das linke Vorderrad nebst allen Nebenaggregaten amputiert.
Clever und mit Hilfe von Kollegen bauten sie Stück für Stück mit Neuteilen
wieder zusammen und bliesen anschließend zu einer sehenswerten Attacke, sie
hatten gerade nur knapp zwei Stunden verloren. So ging die Schlacht in Sand und
Schotter diesmal an die beiden Buggys vom X-raid-Team, während das als stark
eingeschätzte Team Toyota Gazoo mit Rang 2 doch etwas enttäuschte. Noch haben die
“alten Kämpen” mit Sainz, Al-Attiyah und Peterhansel auch diese Dakar
unter sich ausgemacht, aber mit jüngeren Fahrern wie Seaidan, Serradori,
Przygonski und anderen ist eine Generation herangewachsen, die, so sie
stattfinden sollte, die 2021er Dakar noch klarer mitbestimmen werden.

Mit Carlos
Sainz hat ein guter Fahrer gewonnen, zum dritten Mal nach 2010 (VW Touareg
Rally), 2018 auf Peugeot 3008 DKR und nun auf dem MINI-Buggy. Ob es für die
Zukunft eine gute Entscheidung sein wird, zwei fast gleichaltrige (über 50!)
und mehrfache Dakarsieger im selben Team und mit identischem Material
gegeneinander antreten zu lassen, wird Teamchef Sven Quandt zu gegebener Zeit
entscheiden.

Fotos: X-raid Presse, Toyota Media Europe

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